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Pressespiegel

Nürtinger Zeitung 29.07.07

Spielerische Zeitreisen zu Römern und Rittern

Der museumspädagogische Arbeitskreis des Stadtmuseums stellt ein Angebot für Schulen und Kindergärten auf die Beine

NÜRTINGEN. „Es hat uns supertoll gefallen!“ So und ähnlich lesen sich in jüngster Zeit Einträge im Gästebuch des Nürtinger Stadtmuseums. Sie stammen von Schulklassen, die sich einen ganzen Vormittag lang mit einem neuen Angebot des aus dem Förderverein des Stadtmuseums entstandenen museumspädagogischen Arbeitskreises auseinandergesetzt haben.

Heinz Böhler

„Vom Schaf zur Wolle“ oder „Mittelalter – entdecke deine Stadt“ lauten die Titel von zwei der drei Themenpakete, die von Angela Wagner-Gnan, Bernhard Stüdl und einem fünfköpfigen Team von Fachleuten für Kindergarten-Gruppen und Grundschulklassen geschnürt wurden. Als drittes kann das Thema „Römer“ für einen ganzen Vormittag lang als „erlebnis- und praxisorientierte Unterrichtseinheit an einem außerschulischen Lernort“ gebucht werden.

Die Gebühren für einen solchen Vormittag konnten dabei in einem Rahmen gehalten werden, der sicherstellt, dass keines der Kinder aus finanziellen Gründen von der Teilnahme ausgeschlossen würde. Das hat zwei Gründe: Zum einen sind die Mitglieder des Förderkreises und speziell jene, die sich im Museumspädagogischen Arbeitskreis engagieren, zunächst vollkommen ehrenamtlich (sogar ohne Aufwandsentschädigung) tätig, zum anderen gilt der Grundsatz, mit geringstmöglichem Aufwand zum gewünschten (Lern-)Ergebnis zu kommen.

Dafür wird aber eine ganze Menge geboten, denn zunächst täuscht der Titel des Angebotes Nummer eins. „Vom Schaf zur Wolle“ heißt nämlich nicht, dass man auf halber Strecke Halt machen würde. Der Untertitel verrät nämlich schon einiges mehr über den Inhalt: „spinnen, weben, stricken“ heißt es da und führt in den Bereich jener textilen Techniken, wie sie früher in jedem Haushalt angewandt wurden – und teilweise noch werden.

Selten allerdings findet sich heute noch ein Kind, das vor dem Betreten der Scheune neben dem eigentlichen Museumsgebäude schon einmal ein Spinnrad gesehen hat. Im Nürtinger Stadtmuseum können die Kinder ausprobieren, wie das geht, zunächst mit einer einfachen Handspindel, wie sie schon in der Steinzeit benutzt wurde.

Anschließend zeigt Petra Schlensog, Weberin von Beruf, wie man mit einem Webstuhl umgeht. Zu guter Letzt bekommen die künftigen „Textilfachleute“ verschiedene Methoden vorgeführt, wie Wolle maschinell verschlungen wird, eine Technik, die auch als „Stricken“ bekannt ist. Die Kinder rufen dem erfahrenen Stricker Leopold Paydl zu, welche Farbe sie haben wollen, und der wechselt flugs auf die vorgeschlagene Spindel über.

„Kinder fordern eine ständige Präsenz“, gibt Petra Schlensog ihre Erfahrung an einem solchen arbeitsintensiven Vormittag wider, da gibt es – auch für die Mitarbeiter – nur die vorgesehenen Pausen zwischen oder am Ende des „Unterrichts“, in denen dann die Lehrer und Erzieherinnen wieder gefragt sind, die froh sind, einen Teil des Vormittags lang selbst zuhören zu können.

Ähnlich wie beim Weg der Wolle zum fertigen Strumpf oder Pullover geht es auch zu, wenn über das Leben der Menschen in Nürtingen zur Römerzeit oder im Mittelalter erzählt und gebastelt, gemalt und gespielt wird und zu jedem Thema gibt es einen Fragebogen, den die Kinder beantworten sollen.

So anstrengend die Vormittage mit Schulklassen für die Ehrenamtlichen auch sein mögen, sie genießen immer wieder, dass ein so intensives Erlebnis die Belohnung schon in sich trägt, wenn nämlich solche Sätze wie der eingangs erwähnte sich anschließend im Gästebuch finden oder die Kinder sich so wohlfühlen, dass sie gar nicht mehr gehen wollen.

„Das ist alles ein Erfolg, den wir der Gründung des Fördervereins zu verdanken haben“, bekennt sich die Leiterin des Museums, Angela Wagner-Gnan, zu der umstrittenen Maßnahme zur Stützung des Museums. Die Vereinsvorsitzende Petra Garski-Hoffmann ergänzt: „Ohne den Förderverein hätten viele unserer treuesten Freunde nie den Zugang zu der Museumsarbeit gefunden.“ Diese Aussage kann Petra Schlensog für ihre Person bestätigen. Am kommenden Sonntag, 1. Juli, laden die Mitarbeiter des Nürtinger Stadtmuseums wieder zu ihrem traditionellen Museumsfest ein.

Was haben Kinder vor den Zeiten der Spielkonsolen gemacht? Das, was Kindern auch heute noch Spaß macht. Foto: Stüd