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Stadtmuseum Nürtingen in der Presse

 

Nürtinger Zeitung 12.07.07

Vom Sorgenkind zum Aushängeschild

Stadtmuseum NürtingenKulturausschuss für Weiterentwicklung des Stadtmuseums – Museumscafé und Ausbau des museumspädagogischen Angebots gewünscht

NÜRTINGEN. Noch vor einem Jahr schien es, als würden für das Stadtmuseum bald die Totenglocken läuten. Heute sind ganz andere Töne zu hören. Das Museum soll sich vom Sorgenkind zum touristischen Aushängeschild mausern. Selbst die Prognose von Bürgermeister Rolf Siebert, dass eine Neukonzeption mit Kosten im sechsstelligen Bereich verbunden wäre, schreckte die im Kulturausschuss sitzenden Stadträte nicht. Konkrete Maßnahmen wurden in der Sitzung am Dienstag freilich nicht beschlossen. Die Räte wollen sich das Museum demnächst mal gemeinsam anschauen und anschließend über das weitere Vorgehen beraten.

Volker Haussmann

Längst nicht alles ist beim Stadtmuseum so wie es sein sollte. Das ging aus dem Bericht von Museumsleiterin Angela Wagner-Gnan hervor. Zum einen lässt die Magazinsituation stark zu wünschen übrig. Sämtliche nicht im Museum ausgestellten Exponate sind auf fünf Lagerräume im Stadtgebiet verteilt – der kleinste misst gerade mal 30 Quadratmeter, der größte, der Dachboden des Max-Planck-Gymnasiums, immerhin 350 Quadratmeter. Bei Letzterem ist allerdings der Zugang erschwert – durchs Schulgebäude über vier Stockwerke. „Eine dauerhafte Lösung muss gefunden werden“, machte Wagner-Gnan deutlich.

Elektronische Medien sollen Einzug halten

Handlungsbedarf besteht fraglos auch in der Dauerausstellung zur Stadtgeschichte im Erdgeschoss des Museums. Dort sollen nach den Vorstellungen Wagner-Gnans zumindest eine bessere Raumaufteilung und eine attraktivere Aufmachung der Grafiken die Besucherfreundlichkeit erhöhen. Auch elektronische Medien mit interaktiven Elementen sollen endlich in die Ausstellung Einzug halten. Wichtig ist der Museumsleiterin außerdem eine eigene Ecke für ihre museumspädagogischen Angebote.

Sehen lassen können sich die Besucherzahlen der in den vergangenen 15 Jahren veranstalteten 50 Sonderausstellungen. Die lockten gut 116.000 Besucher ins Museum, allein 22.720 wollten vor fünfeinhalb Jahren die Sandmannausstellung sehen.

Eine immer größere Rolle im Museumsgeschehen spielt der vor einem Jahr gegründete Förderverein Stadtmuseum. Dessen Vorsitzende Petra Garski-Hoffmann wusste von derzeit 39 Mitgliedern zu berichten, von denen sich eine große Zahl aktiv in die Museumsarbeit einbringt – entweder im Arbeitskreis Museumspädagogik, im Arbeitskreis Museumscafé oder im Arbeitskreis Öffentlichkeitsarbeit und Sponsoring. Ihr Resümee: „Der Förderverein hat das Museum sehr belebt.“ Besonders unterstrich sie die zunehmende Beliebtheit der museumspädagogischen Angebote, die nur durch den ehrenamtlichen Einsatz der Vereinsmitglieder ermöglicht würden. Eine kleine Erfolgsgeschichte ist auch das vom Verein jeden Sonntag von 13 bis 17 Uhr in und vor der Museumsscheune betriebene Museumscafé, wie Julia Filipps berichtete. Das gehe allerdings nur im Sommer, denn „in der Scheune hat’s kein Wasser, kein Licht, keine Heizung“. Von ersten Erfolgen in puncto Öffentlichkeitsarbeit und Sponsoring berichtete Jürgen Gscheidle.

„Wollen wir das Stadtmuseum als Aushängeschild der Stadt weiterentwickeln?“, stellte Bürgermeister Siebert die Frage nach dem weiteren Vorgehen in den Raum. Das Museum sei immerhin die einzige Einrichtung in der Stadt für den Tourismus. „Die Stadt stellt sich dort vor.“ Die Neugestaltung der Dauerausstellung – ein Wunsch des Gemeinderats – koste „richtig viel Geld“, machte er deutlich. Siebert denkt dabei an eine Summe im sechsstelligen Bereich. Der Ausbau der Museumsscheune für Tagescafé und museumspädagogische Angebote wurde von der Verwaltung außerdem empfohlen. Siebert schlug dem Ausschuss vor, sich das Museum anzuschauen und dann über weitere Schritte zu beraten. Er könne sich, sagte er, als Ideengeber auch einen Workshop aus Stadträten und interessierten Bürgern vorstellen.

Am Willen, das Museum weiter auszubauen, ließen die Ausschussmitglieder quer durch alle Fraktionen keinen Zweifel. Besonders die Umgestaltung und Aufwertung der Dauerausstellung zur Stadtgeschichte liegt den Stadträten am Herzen. Auch die dafür in Aussicht gestellten Kosten schreckten sie offenbar nicht (CDU-Stadtrat Reinhold Rauscher: „Wir dürfen nicht immer nur mit geringen Mitteln etwas machen wollen“). Wert legen die Räte zudem auf einen Ausbau des museumspädagogischen Angebots. Auch der Einrichtung eines ständigen Museumscafés standen sie durchweg positiv gegenüber. „Bei einer Neukonzeption muss auch eine dauerhafte Lösung für ein Café gefunden werden“, sagte beispielsweise Thaddäus Kunzmann (CDU). Dass sich außerdem an der katastrophalen Magazinsituation etwas ändern sollte, machten Peter Rauscher (NL/Grüne), Bärbel-Kehl Maurer (SPD) und Dr. Andreas Brodbeck (Freie Wähler) deutlich. Für die Ausarbeitung der Ideen zur Neukonzeption könnte sich Annemarie Hammelehle (FDP) einen Arbeitskreis aus Mitgliedern des Kulturausschusses und des Fördervereins vorstellen.

Wie wichtig dem KA ein gut funktionierendes Stadtmuseum ist, zeigten die zustimmenden Reaktionen auf den von Peter Rauscher im Verlauf der Aussprache in die Runde geworfene Vorschlag, das Museumspersonal von 1,5 („eine Schande für Nürtingen“) auf zwei Stellen aufzustocken.

Konkret beschlossen wurde an diesem Abend allerdings nur, dass sich der Kulturausschuss zu einem Vor-Ort-Termin ins Stadtmuseum begeben wird. Wann das sein wird, blieb offen.

Foto: Die Museumsscheune spielt bei den Plänen fürs Stadtmuseum eine zentrale Rolle. (Holzwarth)